Inhalt

Historischer Rundweg - Tafel 4

Alte Schmiede

Ein Kulturhaus, in dem regelmäßig Ausstellungen, Lesungen, Kleinkunst- und Musikveranstaltungen stattfinden.

Schmiedehandwerk

Das Schmiedehandwerk ist eines der ältesten Handwerke überhaupt. Jedes Dorf hatte seine eigene Schmiede. Im ländlichen Raum war der Schmied noch im späten 20. Jahrhundert ein unverzichtbarer Handwerker mit breitem Spektrum, zum Beispiel als Beschlagschmied für Wagen und Ackergeräte, als Hufschmied, Kunstschmied, Schlosser und Werkzeughersteller.                                                                           

Um 1900 gab es im Weezer Ortskern unweit voneinander entfernt fünf Schmieden, allein drei davon in der Schmiedestraße. Vor allem die Bauern waren auf die Huf- und Wagenschmiede angewiesen. Sie ließen bei ihnen verschlissene Pferdegeschirre reparieren und regelmäßig mussten Pferde, meistens Arbeitspferde, beschlagen werden.

Schmiede Kerns

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Schmiede von Theodor Kerns an der Wasserstraße errichtet und später von seinem Sohn Matthias Kerns weitergeführt. In der Schmiede befand sich vor 100 Jahren ein Herd mit drei Feuerstellen, ein Blasebalg und ein Amboss. Ein Schmiedefeuer verschlang damals bis zu drei Zentner Kohlen, der Blasebalg maß etwa zwei Meter. Zudem besaß die Schmiede sogenannte Gesenke, Schmiedeformen für Profile, eine Biegemaschine zum Biegen der Karrenreifen und eine Stauchmaschine für zu groß geratene Reifen.

Das Stammpersonal bestand aus vier bis fünf Männern. An Material stand lediglich Eisen zur Vefügung, daraus wurde von Hand alles Übrige selber hergestellt. So wurden zum Beispiel für eine Kette die Wirbel, die Knebel, die Notglieder, die S-Haken und was sonst noch dazu gehörte geschmiedet.

Zum Hufbeschlagen kam das Pferd in einen Hufbeschlagstall, im örtlichen Dialekt auch „de Nöttestall“ genannt. Außerdem wurden in der Schmiede Kerns einachsige Karren mit großen Rädern gebaut.   

Wiederaufbau

Nach der Schließung der Schmiede im Februar 1968 diente das Gebäude lediglich als Abstellplatz und verkam immer mehr. Um den weiteren Verfall zu stoppen, wurde das mitten im Ort stehende Gebäude Anfang 2004 durch die Gemeinde Weeze erworben.

Der Wiederaufbau ging mit einer großen Zahl von freiwilligen Helferinnen und Helfern und vielen Sach– und Geldspenden von Privatleuten und Unternehmen seit Juli 2004 unter dem Motto „Von Weezer Bürgern für Weeze“ zügig voran, so dass im November 2005 die offizielle Eröffnung gefeiert werden konnte.

Nutzung

Der historische Arbeitsplatz mitten im Weezer Ortskern entwickelte sich nach seiner Fertigstellung zu einem Anziehungspunkt für die gesamte Weezer Bevölkerung. Er wurde zu einem Kulturhaus, in dem regelmäßig Ausstellungen, Lesungen, Kleinkunst- und Musikveranstaltungen stattfinden.

Die Schmiede mit ihrem schönen Ambiente von Esse, Blasebalg, Amboss, Transmissionsvorrichtungen und zahlreichen Schmiedewerkzeugen wird auch zu standesamtlichen Eheschließungen genutzt und in Straßenfeste eingebunden. Vor allem steht das Gebäude den Weezer Vereinen zur Verfügung.

Arbeiter (Lederschürzen tragend) der Schmiede Kerns stehen auf der Wasserstraße, Blick in die Wasserstraße von Westen Richtung Markt, Postkartenansicht um 1910.

Arbeiter (Lederschürzen tragend) der Schmiede Kerns stehen auf der Wasserstraße, Blick in die Wasserstraße von Westen Richtung Markt, Postkartenansicht um 1910.

Seit 1968 verfiel das Schmiede-Gebäude immer mehr, bis es 2004 von der Gemeinde Weeze gekauft wurde, 2004.

Seit 1968 verfiel das Schmiede-Gebäude immer mehr, bis es 2004 von der Gemeinde Weeze gekauft wurde, 2004.

Mit Hilfe der A-Jugendfußball-Mannschaft des TSV Weeze und anderer freiwilliger Helfer gingen die Dachdeckerarbeiten zügig voran, 2005.

Mit Hilfe der A-Jugendfußball-Mannschaft des TSV Weeze und anderer freiwilliger Helfer gingen die Dachdeckerarbeiten zügig voran, 2005.

Kleinkunstveranstaltung in der Alten Schmiede, 2011.

Kleinkunstveranstaltung in der Alten Schmiede, 2011.

Alte Schmiede. Die beiden gemauerten Torpfosten sind heute noch so zu sehen. Der linke Teil des Hofes war überdacht, hier hat der 'Nöttestall' gestanden, in dem die Pferde beschlagen wurden. Erst in den 1920 Jahren wurde die Werkstatt erweitert, was heute noch gut zu sehen ist. Von links nach rechts: Heinrich Belting (Weezer Kupferschmied und Klempnermeister), zwei unbekannte Gesellen oder Lehrlinge, Theodor Weigand (Anstreicher-Meister), Heinrich Verhülsdonk (Eigentümer der Gaststätte am Kirchplatz, Ecke Loëstraße) und der Schmied Theodor Kerns. Postkartenansicht um 1910.

Alte Schmiede. Die beiden gemauerten Torpfosten sind heute noch so zu sehen. Der linke Teil des Hofes war überdacht, hier hat der „Nöttestall“ gestanden, in dem die Pferde beschlagen wurden. Erst in den 1920 Jahren wurde die Werkstatt erweitert, was heute noch gut zu sehen ist. Von links nach rechts: Heinrich Belting (Weezer Kupferschmied und Klempnermeister), zwei unbekannte Gesellen oder Lehrlinge, Theodor Weigand (Anstreicher-Meister), Heinrich Verhülsdonk (Eigentümer der Gaststätte am Kirchplatz, Ecke Loëstraße) und der Schmied Theodor Kerns. Postkartenansicht um 1910.