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Historischer Rundweg - Tafel 7

Alter Markt

Die Umwallung, die Tore und der Marktplatz gaben Weeze ab dem 17. Jahrhundert ein städtisches Aussehen.

Markt

Der etwa 50 Meter lange Marktplatz vor der Pfarrkirche Sankt Cyriakus wird erstmals im Jahr 1441 im Zusammenhang mit einer Hausübertragung genannt. Der Markt entwickelte sich zu einem lebhaften zentralen Handelsplatz nicht zuletzt deshalb, weil die Fernhandelstraße zwischen Köln und Nimwegen jahrhundertelang durch den Ortskern führte. Der Jahrmarkt war mit dem Kirchweihtag, der Kirmes, verbunden. Sie dauerte vier Tage. Zunächst lange Zeit im Oktober findet sie seit dem Jahr 1841 bis heute stets am ersten Sonntag im September statt. Besonders begehrte Handelsobjekte waren Wolle, Weezer Kleesamen und Weizen. Überregionale Bedeutung hatten ebenfalls der Fruchtmarkt, der Schweinemarkt, der Viehmarkt, der Buttermarkt und ab 1885 auch der Vieh- und Pferdemarkt.

Heute findet auf dem Alten Markt jeden Mittwoch der Wochenmarkt statt. „Wasserstraße“ und „Markt“ galten als sogenannte vornehme Adressen. Hier wohnten in stattlichen Häusern die gutbürgerlichen Familien und fast alle Honoratioren. Die Gemeindeverwaltung residierte von 1938 bis 1967 in einem Bürgerhaus am Markt. 

Der Markt mit der umgebenden Wasserstraße und der angrenzenden Schmiedestraße bildet seit jeher einen zentralen Punkt in der Gemeinde Weeze. Der Bereich wurde in den 1980er Jahre verkehrsberuhigt ausgebaut. Die Straßengestaltung mit dem roten Klinkerboden lädt seitdem durch die Außengastronomie zum Verweilen ein.

Wasserstraße und Schmiedestraße

Wasser-, Schmiede- und Roggenstraße sind die alten Straßen des historischen, einst umwallten Weezer Ortskerns. Für den Namen Wasserstraße könnte ausschlaggebend gewesen sein, dass die Straße vom Hochwasser häufig überschwemmt war, da sie nahe an dem Fluss Niers entlang führte.

Im 19. Jahrhundert hatte sich die Schmiedestraße zum wirtschaftlichen Mittelpunkt in Weeze entwickelt. Bis 1938 befand sich hier das Rathaus. Beherrschten vorher noch einstöckige Häuser das Straßenbild, so sah man um 1900 durchweg zweistöckige Patrizierhäuser.

Allmählich verschwanden die letzten Bauernhöfe aus dem Ortsinnenbereich. In fast jedem Haus war ein Geschäft. Von den Gegenständen des täglichen Bedarfs bis zu eleganten Hüten und Schmuck war hier alles zu haben. Es wurden in der Schmiedestraße damals eine vier Stockwerke hohe Zigarrenfabrik und zudem drei neue Schmieden, die unweit voneinander entfernt lagen, gegründet - um 1900 gab es insgesamt fünf Schmieden im Ortskern.     

Befestigung

Während des 80-jährigen Freiheitskampfes (1568–1648) der Niederländer gegen die Spanier wurde der Niederrhein als Durchzugsgebiet immer wieder verheert. Daraufhin beschlossen die Weezer im Jahr 1593, ihr Dorf innerhalb eines Jahres mit einem breiten Erdwall und Gräben zu umgeben. Der Wall umgab eine Fläche von rund sechs Hektar und hatte vier Tore, die mit Holzbrücken über die Außengräben führten. Unterstützt wurden die Einwohner hierbei von dem kundigen Söldner Steven Spanier, der sich zudem verpflichtete, im Kriegsfall die militärische Gegenwehr zu organisieren.

Trotz der Wehranlage konnten die Weezer im Jahr 1639 die Brandschatzung ihres Dorfes durch Truppen des kaiserlichen Feldmarschalls Ottavio Piccolomini und dessen Hauptmann Francesco del Carretto di Grana nicht verhindern.   

Städtisches Aussehen  

Die bastionsbewehrte Umwallung mit Toren und vor der Kirche ein Marktplatz machten auf den Besucher im 17. und 18. Jahrhundert einen städtischen Eindruck. Dennoch hat Weeze nie Stadtrechte besessen. Der Ort war seit 1649 mit neun Bauernschaften (Vorselaer, Steeg, Helsum, Rottum, Hoest, Vornick, Wemb, Baerl/Baal und Siebengewald) den Besitzern des Hauses Hertefeld, welche seit 1358 mit den Vogteirechten belehnt waren, als Jurisdiktion zugewiesen und fiel unter das Landrecht.

Die Einwohnerzahl von Weeze dürfte um die Mitte des 17. Jahrhunderts etwa 1000 betragen haben und war so groß wie die der Stadt Krefeld.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verfielen die Festungsanlagen mangels Unterhaltung allmählich. Sie sind auf Karten und Zeichnungen des 18. Jahrhunderts jedoch noch deutlich zu erkennen.

Siegel des Schöffengerichts Weeze, das von 1446 bis 1630 in Gebrauch war.

Siegel des Schöffengerichts Weeze, das von 1446 bis 1630 in Gebrauch war.

Der Ortskern von Weeze war im 17.-18. Jahrhundert mit einem Erdwall und Gräben umgeben.

Der Ortskern von Weeze war im 17.-18. Jahrhundert mit einem Erdwall und Gräben umgeben.

Marktplatz, Postkartenansicht um 1910.

Marktplatz, Postkartenansicht um 1910.

Alliierte Truppen rücken auf den Marktplatz vor, März 1945.

Alliierte Truppen rücken auf den Marktplatz vor, März 1945.

Markt und Kirche, Postkartenansicht um 1910.

Markt und Kirche, Postkartenansicht um 1910.